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Agoraphobie


 
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Chris
Administrator
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Anmeldungsdatum: 28.04.2006
Beiträge: 1093
Wohnort: *12.12.2006* verstorben

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BeitragVerfasst am: 06 Sep 2006 19:16    Titel: Agoraphobie Antworten mit Zitat

Platzangst
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Christa
ADMIN Technik und Webmaster
ADMIN Technik und Webmaster


Anmeldungsdatum: 29.04.2006
Beiträge: 6106

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BeitragVerfasst am: 18 Dez 2008 7:14    Titel: Agoraphobie Antworten mit Zitat

Erläuterung hierzu von unserem User Gerd_N und herzlichen Dank!


Agoraphobie – die Übersetzung aus dem griechischen lautet
Marktplatzangst. Der Begriff Platzangst ist irreführend, da der
Agoraphobie keine grundlegenden Ängste zuzuordnen sind.
Es ist auch keine Erkrankung in dem Sinne, wie Krankheit
in der Medizin oder Psychologie definiert wird. Es ist eine
Störung des Psychovegetativen Nervensystems. Bekannt ist
die Agoraphobie auch als Panikattacken, der wohl am häufigsten
verwendete Begriff.

Symptomatisch äussern sich Panikattacken als eine wie aus
heiterem Himmel kommende, lebensbedrohliche Situation.
Attacken beginnen mit einem wattigen Gefühl im Kopf,
Schwindelgefühle, verschwommener Blick, Rauschen in den
Ohren, Schweissausbruch, zittrige Gliedmassen, kribbeln in den
Fingerspitzen (meistens die linke Hand), weiche Knie, ein hämmern
in der Brust, meistens linksseitig, das sich anfühlt wie Herzrasen. Ein
Stechen im Bereich des Solarplexus kann hinzukommen. Vermeintliches
Herzrasen und Stechen in der Brust lässt viele Betroffene denken, sie
würden im nächsten Augenblick an einem Herzinfarkt sterben. Diese
Symptome können bis zur Ohnmacht führen.

Ausgelöst werden diese Symptome durch eine Pressatmung,
Hyperventilation, in die der Betroffene durch seine Angst vor
Krankheit und Tod verfällt. Dabei wird das Blut mit Sauerstoff
angereichert. Die Symptome sind nichts anderes als ein
Sauerstoffrausch.

Marktplatzangst deutet darauf, dass es für Panikattacken Auslöser
gibt. Situationen, in denen es hektisch zugeht. Viele Betroffene kennen
Auslösersituationen wie grosse Menschenansammlungen auf Plätzen,
in Kaufhäusern, Kino, Busfahrten, Eisenbahnreisen, Autofahrten usw.
Doch oft erleiden Betroffene Attacken auch ‚wie aus heiterem Himmel’
ohne erkennbaren äusseren Auslöser. Dieses wie aus heiterem Himmel
ist für Betroffene besonders angsteinflössend. Bei bekannten Auslöse-
situationen vermeiden Betroffene oft, sich in eine solche Situation zu
begeben. Sie igeln sich zu Hause ein, in der Hoffnung so Attacken
aus dem Weg gehen zu können. M.e. Wurde der Begriff Marktplatzangst
von den alten Griechen geprägt, da sich Betroffene aus Angst vor
auslösenden Situationen nicht wie andere Menschen in die Öffentlichkeit
wagen.

Leider betrachten viele Helfer wie Mediziner, Psychiater, Psychotherapeuten
die Agoraphobie als eine psychische Erkrankung. Was sie definitiv jedoch
nicht ist. Agoraphobiker eignen sich hervorragend als Versuchskaninchen
zum viel Geld verdienen. Es gibt unendlich viele medikamentöse Therapien
und Psychotherapien, die meistens wirkungslos bleiben. Was Betroffene
verstärkt an sich selbst und auch den Helfern zweifeln lässt.

Die einzige medikamentöse Therapie die hilfreich ist, ist der Einsatz von
Valium oder ähnlichen Präparaten, die aber nur eingenommen werden
sollten, wenn sich eine Attacke bemerkbar macht.
Psychtherapien mit tiefenpsychologischem Ansatz, also die meisten herkömmlichen
Therapien eignen sich nicht für Betroffene, verstärken das Problem meistens.
Sinnvoll sind lediglich Verhaltenstherapien, in denen der Betroffene lernt, sich
Auslösersituationen zu stellen. Sie zu durchleben, um dabei festzustellen, sie
überleben. Körper und Geist gewöhnen sich daran, dass überlebt wird und im
Laufe der Zeit verringert sich die Häufigkeit und Stärke der Attacken. Bei
manchen Betroffenen verschwinden sie gänzlich.

Da die Symptome durch eine Sauerstoffanreicherung im Blut ausgelöst werden,
ist die einfachste Methode um Attacken zu stoppen, eine Stickstoffrückatmung.
Dafür kann man unter eine Bettdecke kriechen, um den eigenen Atem
zurückzuatmen. Man kann sich aber auch einen Schal um Mund und Nase
binden, oder einen Pullover den man trägt, über das Gesicht ziehen. Diese
Methode der Stickstoffrückatmung eignet sich bei Attacken in der Öffentlichkeit.

Wenn über diesen Weg der Stickstoffrückatmung gelernt wurde, dass Attacken
so sicher zu stoppen sind, können Attacken durch durch ‚richtiges’ Atmen
im Keim erstickt werden. Ich halte dafür bei aufkommender Attacke einige
male den Atem an, um dann ganz bewusst flach mit Atempausen zwischen
ein- und ausatmen weiterzuatmen. Nach ein paar Minuten ist der Spuk dann
vorbei. In der Öffentlichkeit bekommt es niemand mit, wenn ich den Atem
anhalte und auf flach atmen mit Pausen zwischen ein und aus umschalte. Ich
gehe dabei weiter der Tätigkeit nach, mit der ich gerade beschäftigt bin.

30 Jahre hatte ich mit dieser Störung zu kämpfen. Unzählige professionelle
Helfer konnten mir nicht die Hilfe bieten, die ich brauchte. Ich habe mit
guten (legale) und mit schlechten (illegale) Drogen versucht, Panikattacken
loszuwerden. Eine illegale Droge, Cannabis, erwies sich als gut für mich,
um Attacken zumindest einzudämmen. Alles andere erwies sich, bis auf
Valium, als unbrauchbar. Der Nachteil am Cannabis war die Illegalität und
die damit verbundene schwierige Beschaffung. Vom Schwarzmarkt wollte
ich nicht abhängig sein. Der Nachteil von Valium ist das hohe Suchtpotential,

Ich bin zum Alkoholiker geworden, als ich mit Panikattacken nicht mehr leben
wollte. Lieber totsaufen als so weiterleben dachte ich. Vor vier Jahren fing
ich an zu lernen, Attacken mit ‚richtig’ Atmen zu begegnen. Das funktionierte
für mich. Meinen Alkoholismus wurde ich dadurch nicht los. Es bedurfte
einer weiteren Anstrengung, um auch trocken werden zu können. Nachdem
ich die ersten drei schwierigen Monate des Trockenseins überstanden hatte,
geht es mir seit nunmehr über sechs Monaten fast durchgängig gut bis sehr
gut.

Eine Agoraphobie bedeutet eine erhebliche Minderung der Lebensqualität.
Lerne richtig zu atmen istdie preiswerteste und einfachste Methode, um
Lebensqualität zurückzuerobern. Sollten Betroffene weitere Fragen zum
Thema haben, beantworte ich die gerne, wenn ich kann. Auch über email.
Erfragt dafür meine mailadresse bei den Admins, wenn ihr Fragen habt.

Wissenschaftlich fundierte Aussagen zu Agoraphobie habe ich bisher
nicht gefunden. Die Wissenschft streitet sich lieber über mögliche
Ursachen und darüber, was helfen könnte. Ich habe fast den Eindruck,
es ist unerwünscht, dass Agoraphobiker darüber Bescheid wissen, keine schlimme
Erkrankung zu haben. Sondern nur eine Störung des Psychovegetativen Nerven-
systems, welches auf Auslöser hypersensibel reagiert. 10 Prozent der Bevölkerung
soll betroffen sein. Wenn die alle wüssten, dass flach atmen mit Atempausen
den Spuk beseitigt, wären all diese Patienten nicht mehr über Jahrzehnte durch
Arztpraxen und Therapieeinrichtungen zu schleusen. Ein unersetzbarer Verlust
für die Gesundheitsindustrie.

Berufen kann ich mich lediglich auf meine eigenen Erfahrungen und die
Aussagen von zwei Agoraphobikern, die wie ich auf eigene Faust heraus-
gefunden haben, dass ‚richtiges’ Atmen dem faulen Zauber ein Ende
bereitet.

http://de.wikipedia.org/wiki/Agoraphobie

Wikipedia weist auf die Wirksamkeit einer Expositions- öder Konfrontations-
therapie hin. Ausser acht gelassen wird dabei, dass Auslöser nicht nur im
Umfeld zu finden sind. Deswegen ist auch diese Therapieform legiglich
bedingt geeignet, um Panikattacken zu stoppen. Für isolierte Panikattacken
und Panikattacken ohne Agoraphobie ist sie wirkungslos. Desweiteren
weist Wiki auf die Wirksamkeit anderer Medikamente als Valium hin.
Ebenso wie auf die Behandlungsmöglichkeit in Gesprächstherapien, mit
denen gute Ergebnisse erzielt werden sollen. Aus eigener Erfahrung und
Gesprächen mit vielen Mitpatienten weiss ich, dass all diese Hilfsmittel
allenfalls eine Linderung der Störung herbeiführen können, ein vollständiges
Abklingen jedoch nur selten erreicht wird.

Ich wünsche allen Betroffenen Befreiung von dieser lästigen Störung

Gerd
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