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Psychische Abhängigkeit
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Johanna
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Anmeldedatum: 15.01.2009 00:01
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BeitragVerfasst am: Mo 09.03.2009 23:29    Titel: Psychische Abhängigkeit Antworten mit Zitat

Psychische Abhängigkeit

[...], denn zur Droge wird eine Substanz immer erst dann, wenn sich eine Person dazu in Beziehung setzt und Erfahrungen damit macht. Das Verhältnis zwischen einem Menschen und einer bestimmten Substanz wird immer über die Art der individuellen Erfahrungen vermittelt. Diese sind die Grundlage des Verhältnisses, das der / die Einzelne zu einer bestimmten Substanz entwickelt. Psychotrope Substanzen können dazu benutzt werden, über die Veränderungen psychischer Prozesse (wahrnehmen, denken, fühlen) auch eine Veränderung des eigenen Verhältnisses zur Realität zu entwickeln.

So wird mit der Drogenzufuhr nicht nur die Produktion verschiedener „Körpersäfte“ (siehe körperliche Abhängigkeit) beeinflusst, sondern es werden immer auch psychische Wahrnehmungen und Verarbeitungen zunehmend gestört beziehungsweise „fern- oder fremdgesteuert“. Lustempfinden oder visuelle und akustische Wahrnehmung wird etwa gesteigert oder gedämpft, eigene „Belohnungssysteme“ werden außer Kraft gesetzt und künstlich gesteuert, ganze psychische Gemütszustände werden mittels Suchtstoffzufuhr „reguliert“ oder „normalisiert“.

Diese Veränderungen können sich sowohl auf die eigenen (inneren) als auch auf die umgebenden (äußeren) Realitäten beziehen. Das veränderte Verhältnis kann als positiv oder negativ empfunden werden. Das kann z.B. heißen: Als Folge des Konsums eines Suchtmittels nimmt das subjektive Bedürfnis diesen Stoff zu konsumieren, als Konsequenz positiver Wirkungserlebnisse, sukzessive zu.

(aus: jugend hilft jugend Hamburg)
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Johanna
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BeitragVerfasst am: Mo 09.03.2009 23:49    Titel: Antworten mit Zitat

...falsch geklickt, Absenden statt Vorschau...

habe mir heute Gedanken gemacht über psychische Abhängigkeit -was ist denn das überhaupt?-, da diese ja nach offizieller Meinung jeder Alkoholiker hat. Also fragte ich Tante Guugel: es war ein mühseliges Stöbern, bis ich diesen Text fand. In den allermeisten Erklärungsversuchen schimmert sehr deutlich ein klägliches "Keiner weiß das so genau" durch, was vielleicht auch stimmt...
Doch dieser Text stellt meiner Meinung nach eine verständliche und nachvollziehbare Erklärung eines (fast?) unerklärlichen Phänomens dar.

Ein interessantes Thema finde ich.
Was versteht ihr unter psychischer Abhängigkeit?

Liebe Grüße
Johanna
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ceres0905
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BeitragVerfasst am: Di 10.03.2009 05:17    Titel: Antworten mit Zitat

Ich glaube, psychische Abhängigkeit fängt schon mit dem weit verbreiteten Satz an: "Jetzt brauche ich erst mal einen Schnaps!"

Nur wenige brauchen erst mal einen Waldlauf, ein Vollbad oder vier Wochen Urlaub.

Stellt sich nur die Frage, treibt dieser Satz in die Abhängigkeit oder ist er schon Ausdruck derselben.

LG

Ceres
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BeitragVerfasst am: Di 10.03.2009 08:33    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen,

ich finde es gibt eine relativ einfache Antwort darauf, was psychische Abhängigkeit ist: psychische Anhängigkeit bedeutet, ein Mittel zu benötigen, um sich selbst bzw. sein Leben auszuhalten.

Dabei kann das Mittel auch nicht-stofflich sein, zum Beispiel Spielsucht oder Kaufsucht, bei der es nicht um den gekauften Gegenstand, sondern um den Vorgang geht, sich ein gutes Gefühl durch den Kauf zu verschaffen. Online-Sucht, eine andere Art, aus der Welt zu fliehen.

Grüße

Uwe
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panther
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BeitragVerfasst am: Di 10.03.2009 10:20    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
psychische Anhängigkeit bedeutet, ein Mittel zu benötigen, um sich selbst bzw. sein Leben auszuhalten.

Dabei kann das Mittel auch nicht-stofflich sein,


für mich gibt es keine bessere beschreibung, als die uwe hier geschrieben hat

mein leben auszuhalten....
mir erleichterung zu verschaffen

egal welche emotionen da waren,
ob ich mich gefreut hab, verängstigt war, ne prüfung hatte, trauer schmerz hoch kamen.............ich konnte es mit alkohol besser aushaten....und meine seele sagte mir............ich kanns nicht alleine aushalten....mich nicht aushalten....das leben nicht aushalten...........

jetzt wo ich trocken werde lerne ich das es geht.
und bedien mich nicht mehr stofflichen mitteln oder nicht stoffliche mitteln die mir nicht gut tun.......sondern der mitteln die mir gut tun.....und es ist spannend es rauszufinden..........denn diese nicht stoffliche mitteln sind teiw. sehr individuell....dabei muß ich mich gern haben und hinschauen mögen.........

gruß panther
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Johanna
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BeitragVerfasst am: Di 10.03.2009 17:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ja, Uwe`s Satz bringt es auf den Punkt.
Es ist ein Benötigen /Bedürfnis, um sich besser oder gut zu fühlen.

Nachdem, was ich bislang gehört und gelesen habe, lässt dieses Bedürfnis bei sehr vielen Trockenen nach oder verschwindet ganz. Oder kehrt sich sogar in`s Gegenteil, schlägt in Ablehnung um. Kann man dann sagen, die psychische Abhängigkeit ist "verschwunden"? Oder schlummert sie nur still und fies darauf wartend, dass man zum ersten Glas greift?

Fragen über Fragen, hier die nächste:
Ich bin nicht mehr trinkende Spiegeltrinkerin, und es war in den letzten Jahren nicht angenehm, ständig trinken zu müssen, im Gegenteil. "Angenehm" war lediglich das Flachhalten der Entzugserscheinungen, der "Normalzustand" war nur mit Alkohol aufrecht zu erhalten.
War ich also vorwiegend körperlich abhängig? Und psychisch vielleicht kaum? :blink2:

Liebe Grüße
Johanna
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ceres0905
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BeitragVerfasst am: Di 10.03.2009 18:04    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Johanna,

dem Spiegeltrinker wird mehr die körperliche als die seelische Abhängigkeit zugeordnet, dennoch ist auch die psychische Abhängigkeit da. Sie ordnet sich der physischen unter, der Spiegeltrinker wird panisch, wenn der Alkohol ausgeht. Der Spiegeltrinker weiß, daß er trinken muß, wenn der Entzug droht, dazwischen kann er Pausen machen, auf Spiegel. Noch sind gar keine Entzugserscheinungen da, aber der Gedanke, daß eventuell nicht rechtzeitig Nachschub kommen könnte, macht den Spiegeltrinker unruhig. (Im Gegensatz zum Kontrollverlusttrinker, der jetzt gerade trinken will).

LG

Ceres
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Gast






BeitragVerfasst am: Di 10.03.2009 18:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Johanna,

ich fange mal mit deiner zweiten Frage an, die ist leichter zu beantworten. Ich glaube nicht, daß man bei "aktivem" Alkoholismus so einfach zwischen körperlicher und psychischer Abhängigkeit trennen kann. Beispiel: ein ständig unter Alk stehendes Gehirn produziert übermäßige Megen eines anregenden Botenstoffs um der dämpfenden Wirkung des Alkohols entgegenzuarbeiten. Fällt der Alkoholspiegel, bleibt trotzdem die übermäßige Menge des anregenden Stoffs erhalten, der betroffene Mensch fühlt sich unruhig, hektisch und kann erst durch Nachschub von Alk wieder auf den "Normalzustand" kommen - die berühmten Entzugserscheinungen. Ist das jetzt psychisch oder physisch? Es geht um das Gleichwicht verschiedener Neurotransmitter im Gehirn, das den ohne Alkohol durcheinanderkommt, eigentlich ein körperliches Problem. Doch diese Stoffe sind dafür verantwortlich, was Du fühlst, sie erzeugen tatsächlich die Gefühle. Also erlebst Du es als psychische Abhängigkeit. Das läßt sich nicht wirklich trennen.

Aber da hätte ich 'ne Frage: warst Du tatsächlich eine echte Spiegeltrinkerin? Ich habe in all den Jahren noch keinen wirklichen Spiegeltrinker kennengelernt. Kennzeichnend ist, daß sie sich praktisch nie richtig vollaufen lassen, so wie das der Feld-, Wald- und Wiesen-Alki macht. Echte Spiegeltrinker halten immer nur einen bestimmten Pegel, am liebsten rund um die Uhr. Die Leute die ich kenne waren durchweg alle eine Alki-Mischform. Tagsüber den Spiegel halten und abends sich so richtig die Kante geben - wie der brave gamma-Alkoholiker das abends eben macht.


Nun zur ersten Frage, die kann ich nur für mich sicher beantworten, aber ich kann auch mal erzählen, wie so andere langfristig trockene auf mich wirken. Zuerst zu mir: Ich muß mich für meine ganzes Leben disziplinieren. Geht es mir besch....., dann habe ich die ganz fatale Neigung, irrsinnige Kauftrips durch CD- und Buchläden zu machen.
Bis das Konto über den negativen Anschlag geht. Liegt so in mir drin. Ich habe dann keine Möglichkeit, aus mir heraus gute Gefühle zu erzeugen, es geht eben nur über irgendwas von außen: Alk und Drogen fallen aus naheliegenden Gründen weg, also drehe ich auf diese Art ab, wenn ich mich nicht ganz stark kontrolliere. Ich habe in einem anderen thread schon mal geschrieben, daß der Verdacht besteht, daß manche/viele/alle Süchtige diesen Suchtmechanismus quasi als Geburtsfehler mitbekommen und das der nur auf einen Auslöser wartet, um auszubrechen. Sie haben von Natur aus Probleme, nur aus sich heraus gute Gefühle zu entwickeln und fahren dann halt sehr leicht auf äußere Auslöser ab. Ist halt so, es gibt Schlimmeres im Leben.

Da ich seit Ende der 70er Jahre bei AA gewesen bin, kenne ich auch etliche Menschen dort, zum Teil eben auch sehr lange Trockene. Und so mal kurz überlegt, fällt mir eigentlich keiner ein, der nicht die eine oder andere gravierende Macke mit sich herumträgt. Das hört sich erstmal schlimm an. Doch wenn ich meine "normalen", nicht süchtigen Kollegen so betrachte, dann ist das bei denen auch nicht anders. Was die machen, um sich gut zu fühlen, ist irgendwie auch seltsam. Stellt sich die Frage, was "normal" ist.

Jeder muß für sich entscheiden, wann er mit seinen Fortschritten bzw. seinem Leben zufrieden ist.


philosophische Grüße von

Uwe
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Esmeralda
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BeitragVerfasst am: Di 10.03.2009 18:54    Titel: Antworten mit Zitat

Was bedeutet psychische Abhängigkeit für mich? Puh, schwer zu sagen. Ich würde sagen, psychische Abhängigkeit bedeutet, dass es mir nicht leicht fällt, auf etwas zu verzichten.

Von manchen Dingen kann ich abhängig sein, ohne dass es schadet (z.B. Freundschaft, Familie, Haustiere etc.). Und bei manchen Dingen schadet die Abhängigkeit (z.B. Zigaretten, Alkohol, Medikamente).

Unabhängig bin ich nur von Dingen, die ich problemlos jederzeit aufgeben kann. Z.B. kann ich jederzeit auf diversen Schmuck, Schminkzeug und sonstigen Schnickschnack verzichten.

Abhängigkeit beginnt immer schon da, wo ich nicht problemlos verzichten kann.

Ist eine ziemlich strenge Definition, aber so ist das bei mir nun mal. mr. green
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Johanna
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BeitragVerfasst am: Di 10.03.2009 23:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich freue mich über eure Beteiligung. Das Thema will mir nicht aus dem Kopf gehen, ist es doch der Kern der Alkoholkrankheit.

@Esmeralda
interessant, das Gegenteil zu überdenken, die Unabhängigkeit.
Und weiter, wie erreiche ich sie.

@Ceres
Zitat:
dem Spiegeltrinker wird mehr die körperliche als die seelische Abhängigkeit zugeordnet, dennoch ist auch die psychische Abhängigkeit da. Sie ordnet sich der physischen unter...

Fällt also der Spiegeltrinker etwas aus der Reihe -zumal doch zumeist die psychische Abhängigkeit im Vordergrund steht? ...korrigier mich, wenn das nicht stimmt.

Zitat:
Aber da hätte ich 'ne Frage: warst Du tatsächlich eine echte Spiegeltrinkerin?


Ja Uwe, denke schon. Habe in den letzten Jahren von morgens bis zum Schlafengehen konstant eine gewisse Menge Alkohol gebraucht (bzw. missbraucht), um "normal" zu sein. Wie hoch der Spiegel war weiß ich nicht...ca. 200-300g reiner Alkohol /45kg Johanna /17 Stunden.
Entzugserscheinungen stellten sich nach 2-3 Stunden ein und natürlich jede Nacht. War der Spiegel zu niedrig, z.B. morgens, konnte ich weder klar denken noch sonst etwas Vernünftiges tun. Habe mir selten "die Kugel gegeben", nur auf Partys und bei großem Frust.
Ich benahm mich fast immer völlig unauffällig, hab nicht gelallt, Blödsinn geredet oder ähnliches.
War also die psychische Abhängigkeit evtl. nur darauf bezogen, den Spiegel aufrecht zu erhalten um "normal" zu sein?

Zitat:
Beispiel: ein ständig unter Alk stehendes Gehirn produziert übermäßige Megen eines anregenden Botenstoffs um der dämpfenden Wirkung des Alkohols entgegenzuarbeiten. Fällt der Alkoholspiegel, bleibt trotzdem die übermäßige Menge des anregenden Stoffs erhalten, der betroffene Mensch fühlt sich unruhig, hektisch und kann erst durch Nachschub von Alk wieder auf den "Normalzustand" kommen - die berühmten Entzugserscheinungen. Ist das jetzt psychisch oder physisch?

Als Phragmatikerin würde ich sagen: eindeutig physisch. Messbare, zählbare, nachweisbare Veränderung /Reaktionen des Körpers. Neurotransmitter, Rezeptoren...
Als sich am Kopf kratzende und stirnrunzelnde Johanna würde ich sagen: tja, was ist denn überhaupt Psyche? Muss jetzt spontan an Freud denken, dessen Ansätze ich sehr interessant finde...reicht aber irgendwie nicht...
Seele, Gefühle, Gemüt, das "Ich", die Gesamtheit des Menschen, individuelle Unterschiede...all das wird in Zusammenhang gebracht, und doch ist es nicht fassbar.

Ja, da fällt mir auf, ich kann nicht über psychische Abhängigkeit nachdenken, wenn ich nicht weiß, was Psyche eigentlich ist (kann man das überhaupt wissen?) Kommt ja aus dem Altgriechischen, ursprünglich Atem, hatte aber damals schon etliche Bedeutungen.

Oh, darüber nachzudenken ist müßig...mach ich mal in der nächsten Philosophier-Laune!
Huch jetzt raucht mir aber die Birne!

Liebe Grüße
Johanna (die wieder ordentlich Futter für`s Gehirnchen hat :roll:)
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BeitragVerfasst am: Mi 11.03.2009 18:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Johanna,

auch wenn es jetzt über das Thema hinausführt, aber kann ich es mir nicht verkneifen:
Johanna hat Folgendes geschrieben:
[...]Als Phragmatikerin würde ich sagen: eindeutig physisch. Messbare, zählbare, nachweisbare Veränderung /Reaktionen des Körpers. Neurotransmitter, Rezeptoren...[...]

... und da würde ich sagen: ätsch, reingefallen .... lol:
Das Beispiel habe ich mit Bedacht gewählt, es zeigt ganz genau die Schwäche der Trennung psychisch<->physisch. Das Fühlen und das daraus resultierende Denken entstehen durch das Wirken der Neurotransmitter. Fühlen und Denken sind nicht unabhängig davon oder von den N. zu trennen, sondern sie sind das Ergebnis, das aus dem Fluß der Neurotransmitter entsteht. Wenn das Gleichgewicht der N. sich verändert, dann fühlt und denkt der Mensch anders. Wir tun im Umgang mit uns selbst so, als wäre das "ich" sozusagen unabhängig vom Gehirn, als wäre das Gehirn dem Denken untertan. Aber genau andersherum ist es richtig, das "ich" entsteht aus der Arbeit der Nervenzellen. Die kleinste Veränderung an den Zellen oder an den Neurotransmittern verändert das "ich". Also ist eine Trennung physisch<->psychisch an dieser Stelle nicht nur völlig sinnlos, es ist nicht überhaupt nicht trennbar.


Johanna hat Folgendes geschrieben:
[...]Als sich am Kopf kratzende und stirnrunzelnde Johanna würde ich sagen: tja, was ist denn überhaupt Psyche? Muss jetzt spontan an Freud denken, dessen Ansätze ich sehr interessant finde...reicht aber irgendwie nicht...
Seele, Gefühle, Gemüt, das "Ich", die Gesamtheit des Menschen, individuelle Unterschiede...all das wird in Zusammenhang gebracht, und doch ist es nicht fassbar.

Ja, da fällt mir auf, ich kann nicht über psychische Abhängigkeit nachdenken, wenn ich nicht weiß, was Psyche eigentlich ist (kann man das überhaupt wissen?) Kommt ja aus dem Altgriechischen, ursprünglich Atem, hatte aber damals schon etliche Bedeutungen. [...]

Die beste Antwort hat meiner Ansicht nach der Buddha gegeben. Ganz im Sinne von "Ockhams Rasiermesser"(*) hat er eine Erklärung für das "ich" geliefert, die ohne unbeweisbare Voraussetzungen (die Existenz einer Seele) auskommt. Nach dem Buddha ist das "ich" ist lediglich eine Reaktion auf Reize, wobei das Denken für ihn als Reiz zählt. Zu diskutieren warum er das so sieht und was daraus alles folgt würde hier den Rahmen sprengen.


Johanna hat Folgendes geschrieben:
[...]Oh, darüber nachzudenken ist müßig...mach ich mal in der nächsten Philosophier-Laune!
Huch jetzt raucht mir aber die Birne![...]

Ist das wirklich müßig? Das mal zu durchdenken verändert doch erheblich unser Selbstbild. Auch in Hinsicht auf die "Schuld", die viele Alkis allein dafür mit sich herumtragen, daß sie Alkis geworden sind.


tja, es ist ziemlich offtopic geworden. Aber ich finde das Thema so was von spannend.....

Grüße

Uwe





(*) Als Erklärung reicht eigentlich der erste Satz aus dem Artikel von Wikipedia:
Zitat:
Ockhams Rasiermesser ist das Sparsamkeitsprinzip in der Wissenschaft. Es besagt, dass von mehreren Theorien, die den gleichen Sachverhalt erklären, die einfachste zu bevorzugen ist. [...]
Das ockhamsche Sparsamkeitsprinzip fordert, dass man in Hypothesen nicht mehr Annahmen einführt, als tatsächlich benötigt werden, um einen bestimmten Sachverhalt zu beschreiben und empirisch nachprüfbare Voraussagen zu treffen. Ein Hintergedanke ist dabei auch, dass Hypothesen mit wenigen Annahmen einfacher zu falsifizieren sind als komplexere Hypothesen.

Den ganzen Artikel gibt's hier
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Johanna
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BeitragVerfasst am: Do 12.03.2009 09:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Uwe,

gestern abend hatte ich schon eine Antwort geschrieben, doch dann zögerte ich, fühlte mich unwohl, löschte sie und machte den PC aus.
Heute morgen weiß ich warum:
Es gefällt mir nicht, mich mit diesen Gedanken an etwas so Wertvolles, Kostbares und Geheimnisvolles wie die Psyche heranzuschleichen...

es entzaubert

An dieser Stelle möchte ich einen kurzen Ausschnitt aus Max Frisch`s Tagebücher erwähnen, der mein Gefühl treffend formuliert:

Was wichtig ist: das Unsagbare, das Weiße zwischen den Worten, und immer reden diese Worte von den Nebensachen, die wir eigentlich nicht meinen.
Unser Anliegen, das Eigentliche, lässt sich bestenfalls umschreiben, und das heißt ganz wörtlich: man schreibt darum herum. Man umstellt es. Man gibt Aussagen, die nie unser eigentliches Erlebnis enthalten, das unsagbar bleibt; sie können es nur umgrenzen, möglichst nahe und genau, und das Eigentliche, das Unsagbare, erscheint bestenfalls als Spannung zwischen den Aussagen.
Unser Streben geht vermutlich dahin, alles auszusprechen, was sagbar ist; die Sprache ist wie ein Meißel, der alles weghaut, was nicht Geheimnis ist, und alles Sagen bedeutet ein Entfernen.


...und wie die Sprache ein Meißel sein kann, so können es auch unsere Gedanken sein.
Wenn ich eine wunderbare Blume sehe, so will ich sie nicht sezieren, in Alben pressen, ihren Duft auf chemische Zusammensetzung untersuchen...ich erfreue mich an ihrer Schönheit, lass es warm werden um`s Herz, und welche Neurotransmitter da nun an welche Rezeptoren andocken ist mir eigentlich völlig wurscht.

So denn, obwohl es durchaus ein interessantes Thema sein mag, es soll nicht zu mir gehören.

Liebe Grüße
Johanna
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BeitragVerfasst am: Do 12.03.2009 09:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Johanna,

das kann ich verstehen und respektieren. Nur gegen das Bild mit dem Meißel muß ich Widerspruch einlegen. Auch ich mag in diesem Zusammenhang keinen Meißel, weil er unwiederbringlich zerstört. Doch ich mißtraue dem Zauber, weil doch allzuvieles nach Gold aussieht oder uns als solches verkauft wird und dann doch nur Katzengold ist. Also nehme ich einen Schraubendreher, baue den glänzenden Deckel ab und schaue hinein. Dadurch, daß ich inzwischen vieles darüber gelernt habe, wie Hirn und Denken funktionieren, hat es für mich nicht den Zauber verloren. Ganz im Gegenteil, je mehr ich darüber lerne, je größer wird das Wunder, das "simple" Zellen miteinander arbeiten und daraus plötzlich und unerklärbar ein Gedanke entsteht. In der Meditation zu erleben wie das rationale Denken still wird, das "ich" verschwindet und ein total anderes sich-selbst-erleben an die Stelle des "ich" tritt, ist ein so tiefgehendes Erlebnis, das ich an dieser Stelle überhaupt nicht mehr aufhören kann oder will. Doch ich finde es unvergleichlich spannend, das gleiche von zwei Seiten zu beleuchten: das Erleben in der Meditation und die wissenschaftliche Erklärung dessen, was ich da erlebe.

Ich habe mich sehr lange damit beschäftigt, wie ich reagiere und warum. Wenn ich verstehe, warum ich manchmal zu irrsinnigen Kauftrips neige, kann ich sie besser kontrollieren als wenn ich mich nur mühevoll selbst diszipliniere. Die Frage nach dem "warum tue ich" führt für mich zwangsläufig irgendwann zu dem "was bin ich", weil sie untrennbar miteinander verbunden sind. Doch das muß jeder für sich selbst entscheiden.


Lassen wir's gut sein.

Uwe
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Johanna
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BeitragVerfasst am: Do 12.03.2009 20:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Uwe,

bin mir nicht sicher, ob hier nicht ein Missverständnis entstanden ist, wenn ja, hoffe ich es klären zu können.
Wie dich interessieren mich schon seit seit ich denken kann biologische Vorgänge und Zusammenhänge. Und es stimmt, was du sagst: je mehr ich weiß, desto größer wird das Wunder...desto größer wird mein Staunen. Auch darüber, wie wenig ich eigentlich weiß oder wissen kann /soll /darf.
Doch genau in der Akzeptanz des Unerklärlichen, des Wunderbaren liegt ein gewisser Reiz, und vielleicht auch eine gewisse Größe: anzuerkennen, wie klein, unwissend und hilflos wir Menschleins sind anbetrachts der Vorgänge in dieser Welt.

Doch hier erlaube ich mir wieder den Schwenk zur menschlichen Psyche, um die es ja in dieser Diskussion ursprünglich geht:
Kann ich überhaupt erklären, erfassen warum ich nach einer bestimmten Sache giere, um mich gut zu fühlen?
Kann ich erklären /verstehen, warum der Amokläufer gestern 15 Menschen und sich selbst tötete?
Ich glaube nicht.

Liebe Grüße
Johanna

P.S.
Zitat:
Doch ich mißtraue dem Zauber, weil doch allzuvieles nach Gold aussieht

...hier gilt es aber aufzupassen, dass man vor lauter Misstrauen das echte Gold übersieht oder?
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Gast






BeitragVerfasst am: Sa 14.03.2009 12:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Johanna,

Johanna hat Folgendes geschrieben:
[...]Doch genau in der Akzeptanz des Unerklärlichen, des Wunderbaren liegt ein gewisser Reiz, und vielleicht auch eine gewisse Größe: anzuerkennen, wie klein, unwissend und hilflos wir Menschleins sind anbetrachts der Vorgänge in dieser Welt.

Doch hier erlaube ich mir wieder den Schwenk zur menschlichen Psyche, um die es ja in dieser Diskussion ursprünglich geht:
Kann ich überhaupt erklären, erfassen warum ich nach einer bestimmten Sache giere, um mich gut zu fühlen?
Kann ich erklären /verstehen, warum der Amokläufer gestern 15 Menschen und sich selbst tötete?
Ich glaube nicht.[...]


Also .... das Unerklärliche zu akzeptieren, wird mit zunehmendem Wissen um Zusammenhänge eigentlich immer notwendiger. Das hatten wir ja schon. Wir können auch nicht im Detail erklären, warum ein z.B. ein Süchtiger so handelt, wie er handelt. Doch ich finde - jetzt nur auf mein eigenes süchtiges Verhalten bezogen - daß möglichst viel Wissen um die Zusammenhänge mein eigenes irrationales Verhalten "überschaubarer" macht. Wenn ich überhaupt keine Vorstellung davon habe, warum ich so handele, wie ich es tue, dann weiß ich nicht einmal ansatzweise, was ich in der nächsten Sekunde für verrückte Gefühle produzieren könnte. Um so schwerer ist es dann, die eigenen Gefühle einzuschätzen und die Reaktionen zu beherrschen. Zu wissen, daß ich eine Tendenz zu Depressionen habe, daß ich auf bestimmte Dinge abfahre, die kurzzeitige Glücksgefühle vermitteln, macht es mir einfacher, mich selbst zu disziplinieren. Eine bekannte Gefahr ist eben besser überschaubar und kontrollierbar. Ich bin fest davon überzeugt, daß gerade mein ewiges Fragen nach dem "warum" es mir ermöglicht hat, bis heute trocken zu bleiben und meine "nichtstofflichen" Süchte ziemlich weitgehend unter Kontrolle zu halten.

Außerdem, und das spielt bei mir sicher eine wesentlich Rolle, bin ich sozusagen als Techniker geboren. Ich mußte schon immer alles aufschrauben und hineinschauen um zu verstehen wie es funktioniert. Das hat nur eingeschränkt etwas mit Kontrolle zu tun, das ist einfach eine unstillbare Neugierde. Die Sucht hat mich leider schon zur Schulzeit in den Griff bekommen, sonst wäre ich mit Sicherheit ein guter Naturwissenschaftler geworden.


Johanna hat Folgendes geschrieben:
[...]P.S.
Zitat:
Doch ich mißtraue dem Zauber, weil doch allzuvieles nach Gold aussieht

...hier gilt es aber aufzupassen, dass man vor lauter Misstrauen das echte Gold übersieht oder?


unterschiedliches spez. Gewicht, Scheidewasser , alles leicht lösbar (kicher, welch netter Doppelsinn .....) zwinkern:


Grüße

Uwe
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Christa
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Anmeldedatum: 29.04.2006 09:04
Beiträge: 6973

BeitragVerfasst am: Sa 29.01.2011 16:49    Titel: Antworten mit Zitat

Thema hochschieb zwinkern: zwinkern:
_________________
Ich wünsche, was mein Herz laut spricht:
Sei glücklich und verzage nicht!
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morla
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Beiträge: 2212

BeitragVerfasst am: So 30.01.2011 00:18    Titel: Antworten mit Zitat

danke für's hochschieben

sehr interesannter und informativer Diskussionsverlauf .
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draco
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BeitragVerfasst am: So 30.01.2011 12:10    Titel: Antworten mit Zitat

Moin,

morla schrieb:
morla hat Folgendes geschrieben:
[...]sehr interesannter und informativer Diskussionsverlauf .


... und das Thema ist spannend wie sonst nichts auf der Welt - finde ich jedenfalls. Es müßte sich nur jemand finden, um die Diskussion weiterzuführen.

Grüße
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Desteny
Moderatorin
Moderatorin


Anmeldedatum: 16.11.2009 16:11
Beiträge: 13005
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: So 30.01.2011 17:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ihr Lieben ,

Hm , für mich bedeutet psychische Abhängigkeit, das , wenn zum Beispiel ich in negative Situationen komme wie meine früheren Alpträume, oder Vertrauensbrüche mir gegenüber oder auch es mir nicht gut geht aus welchen Gründen auch immer sich da so in meinem Hinterstübchen ein kleiner böser Teufel Namens Suchtgedächnis regt und versucht mir ein zu sugestieren das mit Alk doch alles beeser war und man sich gut fühlt.
Nicht träumt und auch schlechte Gefühle abstellt.
Ich lass mich da natürlich nicht drauf ein aber so von Zeit zu Zeit meldet sich da schon jemand ganz energisch zu Wort. :roll:

Liebe Grüße
Petra
_________________
Liebe Grüße
Desteny

*Meine innere Zufriedenheit ist eine Heimkehr zu mir Selbst*
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draco
Gast





BeitragVerfasst am: So 30.01.2011 19:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Petra,

was Du beschreibst hört sich doch eher wie das Suchtgedächtnis an. Es scheint keine eindeutige und allgemein anerkannte Definition für den Begriff "Suchtgedächtnis" zu geben, aber meist wird er in dem Sinne benutzt, daß es eine Kombination aus erlernten Reaktionen und durch die Sucht hervorgerufe Änderungen im Haushalt der Botenstoffe im Hirn ist. Deshalb reagiert man als Abhängiger auf bestimmte Situationen mit Druckgefühlen.

Eine psychische Abhängigkeit ist zum Beispiel eine nichtstoffliche Sucht: Kaufsucht, Sexsucht, Spielsucht und was es da alles an Spielarten geben mag. Das Ergebnis mag das gleiche wie bei stofflichen Süchten sein, nur das es hier nicht um die Zuführung irgendwelcher Drogen zur Stimmungsänderung geht, sondern um eine Handlung, wie z.B. einen Kauf, die die gleiche Stimmungsaufhellung beim Betroffenen auslöst. Ich habe "zum Beispiel" geschrieben, weil man sich endlos darüber streiten könnte, ob der Konsum von Haschisch nicht zu den psychischen Abhängigkeiten gerechnet werden kann. Der Entzug bei Dope verursacht meines Wissens nach keine körperlichen Entzugserscheinungen, so wie bei Alkohol oder Opiaten.

Grüße
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