Wenn ein geliebter Mensch trinkt, leidet das ganze Umfeld mit. Eltern, Partner, Kinder, Freunde – ihr alle tragt eine schwere Last, oft im Verborgenen. Diese Seite ist für euch.
Du bist nicht schuld
Das ist der wichtigste Satz vorweg. Eine Suchterkrankung entsteht aus einem komplexen Zusammenspiel von Veranlagung, Lebenssituation und Entscheidungen – nie weil eine andere Person „nicht gut genug“ war. Schuldgefühle sind verständlich, aber sie helfen niemandem.
Die Bedeutung des sozialen Netzes
Ein stabiles Umfeld kann den Genesungsprozess maßgeblich unterstützen. Verständnis, Geduld und manchmal auch klare Worte sind wertvolle Beiträge. Aber: Du bist kein Therapeut, keine Polizei und keine Krankenpflegerin. Deine Rolle ist die eines liebenden Menschen, der sich selbst nicht aufgibt.
Offen reden – auch wenn es schwer fällt
Viele Angehörige laufen lange auf Zehenspitzen, um Konflikte zu vermeiden. Aber Schweigen schadet auf Dauer beiden Seiten. Wähle einen ruhigen Moment, sprich aus deiner eigenen Perspektive („Ich-Botschaften“), bleib bei beobachtbaren Tatsachen und vermeide Vorwürfe.
Statt „Du trinkst zu viel“ lieber:
„Ich habe mir Sorgen gemacht, als du gestern nicht nach Hause gekommen bist. Es belastet mich. Können wir darüber sprechen, was passiert ist?“
Klare Grenzen ziehen
Liebe heißt nicht, alles auszuhalten. Wer ständig deckt, lügt, repariert oder entschuldigt, übernimmt Verantwortung, die er nicht tragen darf. Das nennt man Co-Abhängigkeit – und es schadet beiden Seiten. Klare Grenzen sind ein Akt der Liebe – auch zu dir selbst.
- Decke keine Konsequenzen mehr (Krankschreiben, Ausreden gegenüber anderen)
- Übernimm keine Schulden oder finanziere keinen Alkohol
- Sprich an, was du wahrnimmst – ohne ständig zu drohen
- Sorge weiter für dich selbst: Hobbys, Freunde, Erholung
- Hol dir eigene Unterstützung
Hilfe für dich selbst
Es gibt Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen und Online-Foren extra für Angehörige. Dort triffst du auf Menschen, die dasselbe durchmachen wie du. Das allein bringt schon enorm viel Erleichterung – das Gefühl, nicht der einzige Mensch auf der Welt zu sein, der so etwas erlebt.
Anlaufstellen für Angehörige
- Al-Anon Familiengruppen – Selbsthilfe für Angehörige
- Suchtberatungsstellen – haben fast immer Angehörigen-Sprechstunden
- Hausarzt – kann auch dir Unterstützung vermitteln
- alkoholiker-forum.de – mit eigenem Bereich für Angehörige
Wenn Kinder betroffen sind
Kinder von suchtkranken Eltern sind besonders schutzbedürftig. Sie fühlen sich oft mitverantwortlich, schämen sich oder versuchen, die Situation zu „retten“. Es gibt spezialisierte Beratungsstellen für Kinder aus suchtbelasteten Familien (Stichwort: NACOA Deutschland). Bitte zögere nicht, dort Hilfe zu suchen.