Selbsthilfe und professionelle Therapie sind keine Gegensätze – sie ergänzen sich auf wunderbare Weise. Wer beides nutzt, erhöht seine Chancen deutlich.
Was unterscheidet die beiden?
Selbsthilfegruppen werden von Betroffenen für Betroffene organisiert. Hier zählt gelebte Erfahrung. Eine professionelle Therapie wird von ausgebildeten Fachleuten durchgeführt – Ärztinnen, Psychotherapeuten, Suchtberaterinnen. Hier zählt fachliches Wissen.
Wann ist professionelle Hilfe nötig?
Eine Selbsthilfegruppe allein reicht nicht aus, wenn:
- du körperlich abhängig bist und Entzugssymptome hast
- du seit Jahren regelmäßig trinkst
- begleitende psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angst vorliegen
- du bereits Rückfälle erlebt hast
- dein soziales oder berufliches Leben deutlich eingeschränkt ist
Die Stationen einer Behandlung
1. Motivationsphase
Bevor irgendetwas passiert, steht die Entscheidung. In dieser Phase helfen Beratungsstellen und Hausärzte, die nächsten Schritte zu klären. Wichtig ist: Niemand wird gedrängt. Du entscheidest, in welchem Tempo du gehst.
2. Entgiftung (qualifizierter Entzug)
Die körperliche Abhängigkeit wird in einer Klinik unter ärztlicher Aufsicht behandelt – meist über 1 bis 3 Wochen. Medikamente lindern Entzugssymptome, gleichzeitig beginnen erste therapeutische Gespräche.
3. Entwöhnung
Diese Phase dauert mehrere Monate, oft 6 bis 16 Wochen. Stationär in einer Fachklinik oder ambulant in einer Suchtreha. Hier werden die Hintergründe der Sucht aufgearbeitet und neue Bewältigungsstrategien gelernt.
4. Nachsorge
Die wichtigste und oft unterschätzte Phase. Selbsthilfegruppen, ambulante Nachsorgegruppen, regelmäßige Therapie-Sitzungen halten das Erreichte stabil. Ohne Nachsorge ist die Rückfallquote deutlich höher.
Erste Anlaufstellen
Suchtberatungsstellen sind kostenfrei, anonym und in fast jedem Landkreis vorhanden. Sie helfen bei der Auswahl der passenden Therapie, klären die Kostenübernahme mit Krankenkasse oder Rentenversicherung und begleiten dich durch den ganzen Prozess.
Selbsthilfegruppen – die unsichtbare Säule
Ob klassische Anonyme Alkoholiker, Kreuzbund, Blaues Kreuz, Guttempler oder ein Online-Forum wie alkoholiker-forum.de – Selbsthilfe lebt vom regelmäßigen Austausch. Wer einmal pro Woche eine Gruppe besucht, hat einen festen Anker. Wer in einem Forum aktiv ist, hat 24/7 jemanden, der zuhört.
Therapie zeigt dir den Weg. Selbsthilfe geht ihn mit dir.
Kostenträger
Eine Suchttherapie ist in Deutschland eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen (Entgiftung) bzw. der Rentenversicherung (Entwöhnung). Die Beratung zur Antragstellung übernimmt die Suchtberatungsstelle. Die meisten Behandlungen sind für dich kostenfrei.